HÜFTGELENKARTHROSE

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Hüftgelenksarthrose
                   
Anatomischer Aufbau der Hüfte
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Das Hüftgelenk ist das größte und am stärksten belastete Gelenk des Menschen.
Es vermittelt die Bewegung zwischen Bein und Rumpf.

Die gelenkbildenden Teile

Die Hüfte wird von einem quasi Kugelgelenk gebildet, bei dem der Oberschenkelknochen mit seinem Kopf (Hüftkopf) in der Hüftpfanne, die vom Becken gebildet wird, steht.Da mehr als die Hälfte des Oberschenkelkopfes in der knöchern- bindegewebigen Pfanne liegt, spricht man von einem Nußgelenk.Zwischen Kopf und Pfanne befindet sich der Gelenkspalt mit der Gelenkflüssigkeit.

Knorpel
Die gelenkbildenden Anteile sind mit einer Knorpelschicht überzogen.
Eine ringförmige Gelenklippe aus Knorpel bildet den Rand der knöchernen Pfanne.

Kapsel
Das Gelenk wird von einer bindegewebigen Kapsel umgeben, deren Innenschicht, die Synovia, ständig neue Gelenkflüssigkeit produziert.

Bänder
Die Gelenkkapsel wird durch kräftige Bandstrukturen verstärkt.
Gelenkkapsel, Bänder und umliegende Muskulatur halten das Gelenk in seiner Position.

Was versteht man unter einer Hüftgelenksarthrose ?

Unter einer Hüftgelenksarthrose, auch Koxarthrose in der Fachsprache genannt, versteht man den Verschleiß des Hüftgelenks. Zunächst ist der Knorpel betroffen, bei Fortschreiten der Erkrankung verschleißen auch die knöchernen Strukturen.Im Laufe des Lebens machen alle Strukturen des Körpers einen natürlichen Alterungsprozeß durch.Treten jedoch übermäßige Abnutzungserscheinungen auf, oder tritt ein frühzeitiger Verschleiß auf, so gilt dies als krankhafte Veränderung, die in aller Regel einer Behandlung bedarf.

Ursachen

Durch eine verbesserte Lebenserwartung nimmt die Anzahl der Patienten mit einem Hüftleiden stetig zu. Im Alter von 65-75 leiden ca. 2% der Bevölkerung an Hüftgelenksarthrosen.
Wir unterscheiden die primäre und die sekundäre Form der Arthrose.

Primäre Arthrose:

Ist eine Arthrose, die ohne andere Störung von selbst eingetreten ist.

  • Vermehrter Verschleiß des Knorpels ohne zusätzliche äußere Ursachen.
  • Ein frühzeitiger Verschleiß kann erblich bedingt sein.
  • Allgemeiner Alterungsprozeß.

Sekundäre Arthrose:

Arthrose aufgrund fehlerhafter Belastung. Bestimmte Faktoren haben dazu geführt, daß es zu einer vorzeitigen Abnutzung gekommen ist.

  • Fehlerhafte Belastung des Gelenks führt zum frühzeitigen Verschleiß (X-Beine, Übergewicht, nicht richtig verheilter Oberschenkelhalsbruch).
  • Hüfterkrankungen im Kindesalter (z.B. Perthes Erkrankung).
  • Hüftluxationsleiden, dabei sitzt der Hüftkopf nicht richtig in der Pfanne.
  • entzündliche Gelenkprozesse (z.B. rheumatisch bedingt).
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Gicht).

Diagnosestellung durch den Arzt

Beschwerden der Patienten

Die Krankheit ist durch eine zunehmende Schmerzsymptomatik gekennzeichnet, die mit Bewegungseinschränkungen der Hüfte einhergeht.
Unterschieden werden u.a. der Einlaufschmerz, Schmerzen nach längerer Belastung sowie später auftretender Ruheschmerz.
Schmerzarme/ - freie und schmerzreiche Phasen wechseln im Laufe der Erkrankung.
Durch mögliche entzündliche Reizzustände kommt es zu einer Flüssigkeitansammlung im Gelenk, Schwellung und Spannungsgefühle sind die Folge.

Untersuchung

Ihr Arzt wird sich zunächst Ihre Beschwerden schildern lassen und Sie zu früheren Erkrankungen der Hüfte befragen.
Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Körperhaltung, Stellung und Länge der Beine überprüft werden.
Der Arzt wird die Beweglichkeit Ihrer Gelenke prüfen, insbesondere interessiert ihn die Beweglichkeit beider Hüften.

Röntgen

Im Röntgenbild können Veränderungen am Gelenk dargestellt werden:
Bei einer Arthrose kommt es zur Verschmälerung bis hin zum völligen Verschwinden des Gelenkspaltes.
Es bilden sich knöcherne Anbauten an Pfanne und Kopf.
Die Oberfläche des Hüftkopfes ist uneben und unter dem Knorpelüberzug verdichtet sich der Knochen, als eine Reaktion auf den Knorpelabrieb.Bei schwerer Arthrose kann der Hüftkopf nahezu zerstört sein.

Therapie
Nicht operative (konservative) Therapie

In der Regel für Patienten mit:

  • beginnender Arthrose
  • Alter unter 50 Jahre
  • oder Begleiterkrankungen, die gegen eine Operation sprechen

Je nach Entstehungsursache der Arthrose ist besonders im Anfangsstadium eine konservative Behandlung ausreichend und wirksam. Das Gelenk soll so beeinflußt werden, daß Reizerscheinungen abklingen und dadurch eine Schmerzlinderung erreicht wird. Dazu ist oftmals eine Gewichtsreduktion notwendig, da Übergewicht eine erhebliche zusätzliche Belastung für das Gelenk bedeutet. Desweiteren kann die Gelenkbelastung durch Gehstocknutzung, orthopädisches Schuhwerk mit Pufferabsatz reduziert werden. In manchen Fällen kann eine Einspritzung entzündungshemmender Substanzen in das Gelenk nötig sein.
Eine sehr große Bedeutung für Schmerzlinderung und verbesserte Beweglichkeit hat die krankengymnastische Therapie.

Operative Therapie

Die gelenkerhaltende Operation ( Umstellungsoperation)

  • für Patienten mit einem Alter unter 60 Jahren,
  • wenn sich die Bewegung und Funktion des Gelenkes durch diese Operation verbessern läßt.

Die Entscheidung, ob eine solche Operation in Frage kommt, muß individuell getroffen werden und ist unter anderem davon abhängig, wie sich die Hüfte im Röntgenbild darstellt.
Mit einer Umstellungsoperation soll die Einstellung des Hüftkopfes in die Pfanne verbessert werden, um somit die überbelasteten Stellen des Hüftkopfes etwas zu entlasten.Dazu wird der Winkel des Schenkelhalses verändert, in dem ein Knochenkeil aus dem Oberschenkel entnommen wird. Oberschenkelschaft und -hals werden mit einer Winkelplatte in geändertem Winkel verbunden.

Der Hüftgelenksersatz (Endoprothese)
wird angewendet bei:

  • totaler Gelenkzerstörung
  • Patienten in der Regel über 60 Jahre
  • rheumatisch bedingter Koxarthrose
  • bei beidseitigem Befall

Das künstliche Gelenk besteht aus einem Hüftkopf, der in der Regel aus Metallen (z.B. Titan) besteht. Die Pfanne wird von einer Schale aus Polyäthylen oder Keramik gebildet. Man unterscheidet:

  • Totalendoprothese (TEP): künstlicher Schaft, künstliche Pfanne
  • Hemiendoprothese (HEP):künstlicher Schaft, ohne künstliche Pfanne
  • Hybridprothese:zementfreie Pfanne, zementierter Schaft

Die Prothese kann mit oder ohne Zement im Knochen verankert werden.
Die zementierte Prothese hat den Vorteil, daß sie auch bei Störungen des Knochenaufbaus (z.B. Osteoporose) gut eingesetzt werden kann. Die Prothese ist 2-3 Tage nach erfolgter Operation voll belastbar.
Bei zementfreiem Einsatz soll der Knochen mit der Prothese eine feste Einheit bilden.
Durch das Heranwachsen des Knochens entsteht im nachhinein ein fester Halt. Das betreffende Bein muß für ca. 6 Wochen nach der Operation mittels Unterarmstützen entlastet werden.
Welcher Einsatz für Sie am günstigsten ist, wird der Arzt vor der Operation mit Ihnen besprechen.

Operationstechnik

Die Operation wird in einem hochsterilen Operationssaal durchgeführt.
Ob eine Vollnarkose oder eine sogenannte Leitungsanästhesie (Betäubung der unteren Körperhälfte) vorgenommen wird, ist eine Einzelfallentscheidung des Narkosearztes, der den Patienten vor der Operation untersucht und beraten wird.
Nach Entfernung des erkrankten Hüftkopfes und Säuberung der Pfanne von verschlissenen Knorpelanteilen werden die beiden Prothesenteile (Schaft mit Kopf und Pfanne) nacheinander eingesetzt.
Nach dem Wundverschluß wird auftretendes Wundsekret durch Drainageschläuche für zwei bis drei Tage abgeleitet.

Nachbehandlung
Der Behandlungsplan unserer Klinik beinhaltet eine bereits am ersten Tag nach der Operation einsetzende krankengymnastische Therapie. Bereits in der ersten Woche stehen die Patienten mit Unterarmstützen erstmals auf.
Während des Klinikaufenthaltes wird die krankengymnastische Behandlung einschließlich Bewegungsbäder und Gehtraining so durchgeführt, daß dem Patienten ein sicheres, schmerzfreies Gehen an zwei Unterarmstützen ermöglicht wird.Die Entlassung aus der Klinik erfolgt in der Regel nach etwa 2-3 Wochen.
Ob eine Anschlußheilbehandlung durchgeführt wird, kann in Abstimmung mit Ihnen, Ihrem Arzt und der Krankenkasse entschieden werden.

Prognose

Umstellungsoperation
Bei etwa 60% der Patienten werden durch diese Operation gute Langzeitresultate erzielt.

Protheseneinsatz

Die Nutzungsdauer eines künstlichen Gelenkes beträgt etwa 10-15 Jahre.
Die Zementiertechnik stellt eine gute Möglichkeit zur Prothesenverankerung im Knochen dar. Der Zement altert jedoch mit den Jahren, es kann zu Lockerungen der Prothese kommen. Auch die zementfrei eingesetzte Prothese kann sich lockern, wenn An- und Abbauvorgänge im Knochen den sicheren Halt der Prothese nicht mehr gewähren.
Bei einer Prothesenlockerung bekommt der Patient bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen, aber auch Ruheschmerzen.Bei einer Lockerung sollte so bald wie möglich ein Prothesenwechsel mit erneuter Verankerung durchgeführt werden, da sonst ein zunehmender Verlust von Knochensubstanz eintritt.
Obwohl mit einem künstlichen Gelenk eine schmerzfreie und weitgehend normale Funktion erreicht werden kann, sollten Extrembelastungen, Ruck- und Stoßbelastungen (z.B. Alpin-Ski, Tennis und Ballsportarten) wegen möglicher Überbelastung vermieden werden.

Selbsthilfe (Verhalten nach der Operation)

Ca. 12 Wochen nach der Entlassung wird eine Nachuntersuchung durchgeführt. Bis dahin sollte der Patient eine Gehstütze benutzen, um größere Sicherheit beim Gehen zu ermöglichen.
Bei einer zementfrei eingesetzten Hüfte muß das betroffene Bein bis zu 6 Wochen nach der Operation mit Hilfe dieser Stützen entlastet werden.Durch aktive Mitarbeit können Sie die verlorengegangene Beweglichkeit der Hüfte wiedererlangen.Unsere Krankengymnasten zeigen Ihnen Übungen zur Förderung der Beweglichkeit und Steigerung der Muskelkraft im Hüftbereich, die sie problemlos zuhause fortsetzen können.

Die Übungen dürfen jedoch nicht zu Schmerzen führen!
Auch starke Dauerschmerzen nach einer Hüftgelenksoperation sind ein Alarmzeichen für evtl. eingetretene Komplikationen (z.B. eine Infektion).
In diesen Fällen sollten Sie unbedingt Ihren behandelnden Arzt aufsuchen.

Sport mit einem künstlichen Gelenk
Die Beurteilung der Sportfähigkeit sollte individuell erfolgen, da sie von vielen Faktoren abhängt.
Patienten, die dosiert Sport treiben, haben im Langzeitergebnis weniger Schmerzen und Beschwerden.
gut geeignet:
Schwimmen, Radfahren, Wandern und Gymnasti
bedingt geeignet:
Skilanglauf, Dauerlauf und Golf bei guter Technik
nicht geeignet:
Alpiner Skilauf, Ballsportarten, Sprungdisziplinen und Wettkämpfe

Prophylaxe
Wie bereits aufgeführt, unterliegen alle Gelenke mit zunehmendem Alter einem Verschleißungsprozeß. Welches Ausmaß dieser Verschleiß jedoch in den einzelnen Altersstufen erreicht, ist oft konstitutionsbedingt und vom Patienten nur wenig beeinflußbar.
Übergewicht sollten Sie vermeiden, da es eine starke Belastung der Gelenke darstellt.Es gibt jedoch auch die Fälle der sekundären Arthrose (siehe Ursachen), hierbei liegt eine Grunderkrankung vor, die möglichst frühzeitiger Behandlung bedarf.


Nicht Sport und Bewegung machen Arthrose, sondern Gelenkverletzungen

Patienten mit Arthrosen sollten spazieren gehen, Rad fahren oder schwimmen

Auch arthritische Gelenke brauchen Bewegung. Aber es muss die richtige sein! Es gibt keinen Grund, Menschen mit beginnender Arthrose vom Sport und solche mit stärkerem Gelenkverschleiß von Bewegung abzuraten. Denn nicht Sport oder Bewegung verursachen Gelenkschäden, sondern Verletzungen, Stoffwechselerkrankungen oder Bewegungslosigkeit. Das heißt, dass Patienten etwa mit Übergewicht oder Diabetes sich trotz Arthrosen bewegen sollen.

In Deutschland hat jeder Dritte über 50 Jahre eine Arthrose. Bei 80% der über 75jährigen lässt sich die Erkrankung diagnostizieren. Doch nur jeder Zehnte leidet unter den entsprechenden Symptomen. Zu den Sportarten, die auch für Patienten mit chronischen Arthrosen geeignet sind, gehören Schwimmen und Aqua-Jogging oder Radfahren. Ältere Menschen, die sich nicht mehr zutrauen, draußen zu fahren, können ebenso gut eine Heimtrainer benutzen.

Quelle: Ärzte Zeitung, 02.10.2001


 

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