Vitamin D
| Sportmedizinische
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Wichtige Hinweise: |
Vitamin-D-Synthese: Bildung von Calcitriol (1,25-Dihydroxycholecalciferol)
aus 7-Dehydrocholesterin [248] und Struktur
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VitaminD-Wechselwirkungen :
( - ) beeinträchtigen die Aufnahme
( + ) fördern die Aufnahme
( + ) Magnesium, moderate körperliche Anstrengungen, HCI, A, D,
C, Eisen und ungesättigte Fettsäuren.
Effektive tägliche Dosierungen liegen zwischen 400 und 1200mg,
für Blutdruck 1000mg und für Darmkrebsprävention 2000 - 3000mg.
Vitamin D
Unter dem Einfluß von ultraviolettem Licht wird in der Haut aus
7-Dehydrocholesterol das Vitamin D3 oder Cholecalciferol; dieses wiederum wandelt sich in
der Leber durch die 25 Hydroxylase in das 25-Hydroxy-Vitamin D3 und anschließend in der
Niere durch die 1-Alpha-Hydroxylase in die 1,25 Hydroxy-Vitamin D3 um. Dieser Metabolit
wird Calcitriol genannt und wirkt am effektivsten in der intestinalen Absorption des
Kalziums sowie im Metabolismus des Knochens. Das Prolaktin, das Wachstumshormon und
Östrogene stimulieren die Synthese von Calcitriol. Eine extrarenale Synthese gibt es
sowohl in der Plazenta wie auch im Knochen. Im Serum ist das Vitamin D3 an ein
spezifisches Bindungsprotein gebunden. Calcitriol wirkt primär auf das
Instestinum, indem
es die Synthese des Kalzium-Bindungs-Proteins und damit auch die Kalzium-Absorption
steigert. Im Knochen übt es eine permissive Unterstützung des Parathormons aus, indem es
die Mobilisierung des Kalziums aus den Knochen unterstützt. Das Parathormon wirkt in der
Niere ebenfalls Kalzium-reabsorptiv. Das Parathormon stimuliert darüber hinaus auch die
Synthese des Calcitrions über eine Anregung der 1-Alpha-Hydroxylase. Obwohl das
Calcitriol die Calciumabsorption am reifen Knochen fördert, vermehrt es auf der anderen
Seite die Mineralisierung des neugeformten Knochens. Es unterstützt diese Mineralisierung
indirekt, indem es den intestinalen Transfer von Kalzium und Phosphor erhöht.
Glukokortikoide reduzieren die intestinale Absorption von Kalzium und erzeugen dadurch
indem sie dem Vitamin D entgegensteuern eine Osteoporose. Deswegen kann bei
einer Hyperkalzämie Cortison verordnet werden. Die Hauptwirkung des Östrogens besteht
darin, daß es die 1-Alpha-Hydroxylase initiiert und damit das Calcitriol anhebt. Dies ist
im übrigen der gleiche Mechanismus über den auch das Prolaktin eine Erhöhung des
Blutkalziumspiegels bewirkt. Gleiches gilt auch für das Wachstumshormon. Darüber hinaus
reduziert das Östrogen die Sensibilität des Knochens für das Parathormon und verringert
die Resorptionsoberfläche am Knochen.
Vitamin D gegen Rheuma
Cantorna, MT et al: 1,25-Dihydroxycholecalciferol inhibits the progression of arthritis in murine models of human arthritis. Journal of Nutrition 1998/128/S.68-72
Etwa 1% der Menschen leidet an rheumatoiden Arthritiden. Im Mäusemodell hemmte Vitamin D die Entstehung und das Fortschreiten der schmerzhaften entzündlichen Immunkrankheit. Bei den Mäusen wurde eine Arthritis ausgelöst, entweder durch Kollagen oder durch eine Infektion mit Borrelia burgdorferi (Lyme-A.). Die Lyme-Arthritis kam unter einer Gabe von 20 ng Calciferol zum Futter nach drei Wochen zum Stillstand. Bei den Kollagen-immunisierten Mäusen halbierte sich die Krankheitsrate. Mit 50 ng/d konnte sie völlig verhindert werden. Bei bereits erkrankten Mäusen wurde das Fortschreiten mit einer zusätzlichen Injektion von 300 ng verhindert. Da die Tiere im Entzündungsgeschehen, in der Antigen-Spezifität und der genetischen Vorbelastung dem Menschen ähneln, sind die Ergebnisse vielversprechend. Zwar ist der genaue Wirkmechanismus nicht bekannt, man weiß jedoch, daß Calciferol das Immunsystem in vielfältiger Weise beeinflußt. Mit der Vitaminfunktion hatten die Wirkungen dagegen nichts zu tun: In keinem der Experimente war der Calciumhaushalt verändert.
Gegen Darmkrebs: Vitamin D
kämpft mit
Berlin – Vitamin D kann nach neuesten
Erkenntnissen auch den Abbau giftiger Gallensäuren fördern und so den Darm
schützen. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" haben dies neueste
Forschungsergebnisse der University of Texas ergeben. Vitamin D bindet an den
selben Rezeptoren wie die Gallensäure Lithocholsäure, die bei
Darmkrebspatienten in erhöhten Mengen festgestellt wurde. Durch die Bindung von
Vitamin D an die Rezeptoren wird der Abbau dieser Gallensäure gefördert, versage
allerdings bei einer zu fettreichen Ernährung, so die Wissenschaftler. Vitamin D
ist in besonders hohen Konzentrationen wie Lachs und Hering enthalten. 23. Mai
2002
Fördert Vitamin D-Mangel eine Herzinsuffizienz?
Studie liefert Hinweise auf diesen Zusammenhang
BONN (sko). Ein Vitamin D-Mangel scheint bei der Entstehung einer
Herzinsuffizienz beteiligt zu sein, wie aktuelle Studiendaten vermuten
lassen. Ob Vitamin D auch einen therapeutischen Nutzen bei dieser Erkrankung
hat, wird zur Zeit in einer weiteren Studie überprüft."Bisherige Studien
haben genügend Hinweise geliefert, daß die Hypothese des Vitamin D-Mangels
bei der Entstehung einer Herzinsuffizienz von Bedeutung ist, vertretbar
ist", so Dr. Armin Zittermann zur "Ärzte Zeitung". So habe man etwa Vitamin
D-Rezeptoren in den Herzmuskelzellen gefunden, die bei Vitamin D-Mangel
möglicherweise nicht ausreichend stimuliert würden, meint Zittermann. Der
Ernährungswissenschaftler von der Uni Bonn hat bei 54 Patienten mit
Herzinsuffizienz ab NYHA-Stadium II und 34 gesunden Personen die Vitamin
D-Serumwerte bestimmt (J Am Coll Cardiol 41, 2003, 105). Ergebnis: Bei
herzinsuffizienten Patienten unter 50 Jahren lag der Calcitriol-Wert bei 25
ng/l, bei Patienten über 50 bei 37 ng/l und bei gesunden Personen bei 45
ng/l.
Zur Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Vitamin D und Herzinsuffizienz
hat Zittermann eine Doppelblindstudie initiiert, in der 100 Patienten für
ein Jahr Vitamin D oder Placebo erhalten. Der Therapieerfolg wird mit
biochemischen und klinischen Parametern sowie mit Fragebögen ermittelt. Mit
ersten Ergebnissen wird Ende des Jahres gerechnet.
Für eine ausreichende Vitamin D Versorgung empfiehlt Zittermann, sich von
Mitte März bis Mitte Oktober mindestens eine Stunde täglich im Freien
aufzuhalten. In der Nahrung ist Vitamin D in Lachs, Hering und Aal
enthalten.Ärzte Zeitung, 06.03.2003
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Führt Vitamin-D-Mangel zu kongestivem Herzversagen?
BETHESDA, MASSACHUSETTS. Jüngere Patienten mit kongestivem Herzversagen
(CHF) weisen geringere Mengen von Vitamin-D-Metaboliten auf als gesunde
Kontrollpersonen (J Am Coll Cardiol 2003; 41: 105–112). Aufgrund von zwei
Beobachtungen vermuten Armin Zittermann und Mitarbeiter von der Universität
Bonn und dem Herzzentrum in Bad Oeynhausen, dass ein Vitamin-D-Mangel am
Herzversagen beteiligt sein könnte. Einerseits hemmt der Vitamin-D-Metabolit
Calcitriol die Synthese von ANP (atrial natriuretic peptide). Dieses Peptid
ist bei kongestivem Herzversagen massiv erhöht und wird für diese Erkrankung
als Marker verwendet. Darüber hinaus sind im Herzmuskel spannungsabhängige
Ca2+-Kanäle vorhanden, die durch Calcitriol aktiviert werden können.
In der Studie wurden bei 54 CHF-Patienten der Klasse zwei nach den Kriterien
der New York Heart Association und bei 34 Kontrollpersonen die Laborwerte
für ANP, Vitamin-D- und Calcium-Metaboliten bestimmt. Die 20 Patienten, die
jünger als 50 Jahre waren, hatten die niedrigsten Calcitriol- (circa 25 pg/mL)
und 25-Hydroxyvitamin-D-Werte (circa neun ng/mL).
Bei diesen Probanden wie auch bei den älteren CHF-Patienten lagen die
ANP-Werte doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe. Die Unterschiede
bezüglich des Vitamin-D-Metabolismus sind wahrscheinlich nicht durch einen
bekannten Polymorphismus des Vitamin-D-Rezeptors begründet, da eine
entsprechende Genotypisierung von Patienten und Kontrollen keine
Unterschiede in der Häufigkeit der Genotypen ergab.
Die Autoren gelangen zu dem Schluss, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel zu
Veränderungen im Mineralstoffwechsel und möglicherweise zu einer
myokardialen Dysfunktion beitragen könnte. DEUTSCHES ÄRZTEBLATT (21.01.2003)
Stärkend: Vitamin D senkt Knochenbruch-Risiko
Schon wenige Gaben Vitamin D senken das Risiko von Knochenbrüchen
bei älteren Menschen deutlich. Bereits eine hochdosierte Kapsel alle vier
Monate habe die Zahl der Brüche um 22 Prozent vermindert, berichtet ein Team
der Universität Cambridge im «British Medical Journal» (Bd. 326, S. 469).
Die Rate der für Osteoporose typischen Fälle sei sogar um 33 Prozent
zurückgegangen. Die Studie lief über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die
Forscher um Kay Tee Khaw hatten 2686 Menschen zwischen von 65 und 85 Jahren
alle vier Monate eine hochdosierte Tablette Vitamin D3 (Cholecalciferol)
geschickt. Die Probanden wurden gebeten, das Mittel einzunehmen und
Knochenbrüche zu melden. Sie wussten nicht, ob sie Vitamin D oder ein
Scheinmedikament (Placebo) erhielten. Keiner der Teilnehmer hatte zuvor
zusätzliches Vitamin D genommen. Vitamin D3 kommt in größeren Mengen in
Leber, Milch, Margarine, Eigelb und fettem Käse vor. Es bildet sich auch
unter Sonneneinstrahlung in der Haut aus verschiedenen Vorläufersubstanzen.
Eine zu hohe Aufnahme von Vitamin D kann zu Vergiftungen führen. Diese
wurden in der Studie mit Tabletten zu je 100 000 internationalen Einheiten (IU)
jedoch nicht entdeckt.
28. Februar 2003 netdoktor
Eine Kapsel Vitamin D nur dreimal jährlich senkt die
Frakturrate
Hinweise aus Studie mit mehr als 2000 Probanden
CAMBRIDGE (ikr). Fraktur-Prophylaxe kann offenbar sehr einfach sein: Nicht
nur wer täglich ein Präparat mit Kalzium und Vitamin D einnimmt, sondern
auch wer nur alle vier Monate eine Kapsel mit 100 000 IE Vitamin D schluckt,
reduziert sein Risiko für Knochenfrakturen deutlich.
Hinweise darauf gibt jetzt eine Pilotstudie mit 2686 Personen zwischen 65
und 85 Jahren. Die Studienteilnehmer - Männer und Frauen aus der
Allgemeinbevölkerung - erhielten fünf Jahre lang alle vier Monate per Post
entweder eine Kapsel mit 100 000 IE Vitamin D3 (Colecalciferol) oder ein
Placebo-Präparat (BMJ 326, 2003, 469). Ebenfalls per Post sollten die
Probanden mitteilen, ob sie Frakturen erlitten hatten. Die meisten
Studienteilnehmer waren Ärzte.
Insgesamt 268 Männer und Frauen hatten innerhalb von fünf Jahren
Knochenbrüche erlitten, davon 147 für Osteoporose typische Frakturen wie
Hüft- und Wirbelfrakturen. Aus den Daten haben Dr. Kay Tee Khaw vom
Addenbrooke's Hospital in Cambridge und sein Team berechnet, daß die Rate
der Brüche mit Vitamin D insgesamt um 22 Prozent geringer war als mit
Placebo. Das heißt: Es mußten etwa 250 Menschen ein Jahr lang behandelt
werden, um eine Fraktur zu verhindern.
Die Rate der Knochenbrüche an für Osteoporose typischen Stellen war in der
Vitamin-D-Gruppe um 33 Prozent geringer als in der Placebo-Gruppe. Bei den
Ärzten war die Frakturrate ähnlich hoch wie bei den übrigen Teilnehmern. Ein
weiteres Ergebnis: Mit Vitamin D war die Gesamtsterblichkeitsrate leicht,
jedoch nicht signifikant geringer als mit Placebo.
Weitere Studien seien jetzt erforderlich, um die Ergebnisse dieser
Pilotstudie zu sichern, so die Forscher. Ärzte Zeitung, 10.03.2003
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D |
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Calciferol |
| Am meisten Vitamin D je |
| 100 g enthalten: |
| Lebertran 300,0 µg |
| Hering 31,0 µg |
| Bückling 30,0 µg |
| Matjeshering 27,0 µg |
| Räucheraal 22,2 µg |
| Lachs 17,0 µg |
| Flußaal 13,0 µg |
| Funktion: |
| Vitamin D reguliert den Kalzium- und |
| Phospat-Haushalt im Körper. Es dient |
| also der Härte von Zähnen und |
| Knochen. |
| Tagesbedarf: |
| Die DGE rät, prophylaktisch tgl. 5 µg |
| Vitamin D zu nehmen. 10 Minuten |
| Sonnenlicht stellen allerdings schon |
| den Tagesbedarf sicher. Linus |
| Pauling will wie üblich mehr: 20 µg |
| in diesem Fall. |
| Mangelerscheinungen: |
| Muskelschwäche und Anfälligkeit für |
| Infektionen sind die ersten Zeichen |
| für Vitamin D Mangel, der heute |
| selten vorkommt. Schwere Folgen hat |
| er allerdings an Rachites Erkrankten |
| Gefahr bei Überdosis: |
| Sehr gefährlich: Ab 1,2 mg am Tag |
| kann man sich mit Vit. D vergiften. |
| Erbrechen, Schwäche und Durchfall |
| gehen dann Kalkablagerungen in den |
| Nieren u. Blutgefäßen voraus. |
| Haltbarkeit: |
| Sauerstoff, starke Hitze und Licht zer- |
| stören Vitamin D, das sich beim Garen |
| allerdings recht lange hält. |
| Wichtig: |
| Eine körpereigene Überproduktion von |
| Vit. D ist nicht möglich. So gesehen |
| kann man sich ohne Bedenken be- |
| liebig lange der Sonne aussetzen. |
| Tip: |
| Vegetarier aufgepaßt: als einzige |
| Pflanze bietet die Avocado in 100 g |
| Fruchtfleisch 5 µg Vitamin D, also |
| den Tagesbedarf. |
Über 70 und nicht mehr ganz fit - dann ist Vitamin D
ganz wichtig
Bei Älteren mit Risikofaktoren kann ohne Screening substituiert werden
BRISTOL (gwa). Ein Vitamin-D-Mangel ist bei den über 70jährigen viel
häufiger als bislang angenommen. Das gilt besonders für Patienten mit
Demenz, Morbus Parkinson, Osteoporose und Fallneigung, und vor allem für
Heimbewohner. Sie können ohne vorheriges Screening substituiert werden.
Das schlagen Dr. Theresa J. Allain vom Southmead Hospital in Bristol in
Großbritannien und ihre Kollegin Dr. Jugdeep Dhesi vor. Allerdings: Nach
den deutschen Arzneimittelrichtlinien kann Vitamin D nur zu Lasten der GKV
verordnet werden, wenn ein Mangel nicht anders, etwa durch Nahrung,
ausgeglichen werden kann.
Die britischen Kolleginnen hatten über 40 Studien analysiert und fanden,
daß bis zu 47 Prozent der über 70jährigen ein Vitamin-D-Defizit hatten.
Heimbewohner waren bis zu 100 Prozent betroffen (Gerontology 49, 2003,
273). Ein hohes Risiko haben Patienten mit Demenz, Morbus Parkinson,
Fallneigung oder Osteoporose.
Ursachen für den Vitamin-Mangel sind ein nahrungsbedingtes Defizit, weil
Ältere weniger essen, sowie eine abnehmende Fähigkeit der Haut, Vitamin D
zu synthetisieren. Außerdem wird in den Nieren aufgrund der
altersbedingten Insuffizienz weniger Vitamin D in die aktive Form
umgewandelt.
Die Gerontologinnen schlagen vor, allen ab 70 mit Risikofaktoren für
Vitamin-D-Mangel - sofern es keine Kontraindikationen wie Hyperkalziämie
gibt - 1,2 g Kalzium und 800 IE Vitamin-D oral pro Tag zu verordnen, oder
300 000 IE einmal pro Jahr i. m. zu spritzen. Ärzte Zeitung, 01.10.2003
Darmkrebs: Gene und Rauchen die wichtigsten Risikofaktoren –
Getreide, NSAID und
Vitamin D wirken protektiv
PORTLAND. Ungesunde Ernährung und westlicher Lebensstil gelten als die
wesentlichen Ursachen für das kolorektale Karzinom, der zweithäufigsten
Krebserkrankung in den Industrieländern. Eine der bisher größten und
umfassendsten Studien zur Epidemiologie des Tumors und seiner Vorstufen,
deren Ergebnisse jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2003; 290:
2959–2967) veröffentlicht wurden, bestätigt die bekannten Auslöser. Einer
der stärksten Risikofaktoren war jedoch eine genetische Prädisposition.
Die Studie wurde von einem Team der US-Veteranenbehörde, des US-National
Cancer Institute und der Harvard-Universität durchgeführt. Unter der Leitung
von David Lieberman, Portland/Oregon, unterzogen sich an 13
Veteranenkliniken 3 121 asymptomatische Personen im Alter zwischen 50 und 75
Jahren einer Koloskopie. Bei 329 wurde eine fortgeschrittene Neoplasie
diagnostiziert, definiert als Adenom von einer Größe von zehn Millimeter
oder mehr oder ein villöses Adenom oder ein Adenom mit einer hochgradigen
Dysplasie oder ein invasives Karzinom. Dass damit etwa jeder zehnte
Teilnehmer einen pathologischen Befund hatte, unterstreicht die Bedeutung
der Koloskopie zur Früherkennung.
Anamnese und medizinische Untersuchung ergab folgende Risikofaktoren: Wenn
ein Verwandter ersten Grades an einem kolorektalen Karzinom erkrankt war,
steigt das Risiko um 66 Prozent (Odds Ratio, OR: 1,66;
95-Prozent-Konfidenzintervall 1,16 bis 2,35). Aktive Raucher hatten ein um
85 Prozent erhöhtes Risiko (OR: 1,85; 1,33 bis 2,58). Auch für den mäßigen
und übermäßigen Alkoholkonsum wurde ein erhöhtes Risiko gefunden, das bei
einer Odds Ratio von 1,02 (1,01 bis 1,03) jedoch keine Bedeutung haben
dürfte.
Die Studie fand auch einige inverse Assoziationen, das heißt protektive
Faktoren. Hierzu gehört eine gesunde Ernährung. Allerdings sind die
protektive Wirkung von Getreidefasern, also Ballaststoffen, mit einer Odds
Ratio von 0,95 (0,91 bis 0,99) und der Vitamin-D-Einnahme mit einer Odds
Ratio von 0,94 (0,90 bis 0,99) eher gering. Es ist deshalb zweifelhaft, dass
die Ernährungsempfehlungen zur Primärprävention, welche vor allem die
Bedeutung der Diät betonen, allein zum Ziel führen. Interessanterweise
findet sich in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten/Arbeitsgemeinschaft für Gastroenterologische
Onkologie kein Hinweis auf Rauchen als Risikofaktor. Bei der Diät wird
dagegen auch eine fettarme Ernährung gefordert.
Die jetzige Studie zeigte jedoch keine Assoziation mit dem Cholesterinwert
der Patienten, und auch für den Konsum von rotem Fleisch wurde nur eine
marginale Assoziation gefunden. Ebenso scheinen körperliche Bewegung und
Übergewicht, die häufig als Risikofaktor genannt werden, in der Studie von
marginaler oder keiner Bedeutung. Dennoch empfiehlt Lieberman in der
Pressemitteilung der Veteranenbehörde der Bevölkerung, nicht nur das Rauchen
aufzugeben, sondern auch den Alkoholkonsum und den Verzehr von rotem Fleisch
zu senken. Sogar der Lebertran taucht als Empfehlung wieder auf. Ein
Teelöffel enthalte genügend Vitamin D, um eine schützende Wirkung zu
entfalten.
Dagegen wird der stärkste protektive Faktor in der Studie heruntergespielt.
Die Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) senkte das Risiko
um ein Drittel (OR: 0,66; 0,48 bis 0,91). Wegen der Nebenwirkungen dieser
Mittel fordert Lieberman jedoch weitere Studien, bevor eine Empfehlung
ausgegeben werden könne. Abstract und Pressemitteilungen enthalten keine
Angaben über die attributiven Risiken, also den Anteil der
Krebserkrankungen, die durch eine Modifizierung der Risikofaktoren
vermeidbar wären. So bleibt letztlich unklar, ob die Empfehlungen die hohe
Prävalenz des Darmkrebses wesentlich senken könnten.(10.12.2003) DEUTSCHES
ÄRZTEBLATT
Schmerzen durch
Vitamin D
-Mangel?
Eine US-amerikanische Untersuchung zeigt, dass die Mehrheit der
Schmerzpatienten nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt ist. Die Hinweise
mehren sich somit, dass unspezifische Muskel- und Knochenschmerzen die Folge
eines Vitaminmangels sind.
US-amerikanische Wissenschaftler untersuchten insgesamt 150 kindliche und
erwachsene Patienten mit unspezifischen Muskel- und Knochenschmerzen. Neun
von zehn Teilnehmern litten unter einem Vitamin-D-Mangel. Bei den unter
30-Jährigen waren sogar alle untersuchten Personen nicht ausreichend mit
diesem Vitalstoff versorgt - gut die Hälfte in erheblichem Ausmass. Bei fünf
Patienten konnte schliesslich überhaupt kein Vitamin D nachgewiesen werden.
"Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich von der medizinischen
Lehrbuchmeinung. Nach ihr hätten wir den Vitamin-D-Mangel eher bei älteren
Menschen vermutet", betont Studienleiter Prof. Dr. Greg Plotnikoff. "Wir
fanden die größten Defizite bei jüngeren Menschen - insbesondere bei Frauen
im gebärfähigen Alter."
Nach Ansicht von Plotnikoff sollte häufiger routinemässig auf einen
derartigen Mangel gescreent werden, weil dieser erhebliche Folgen haben kann
(Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes, Krebs etc.). Besonders angezeigt sei
die Untersuchung bei Patienten mit unspezifischen Muskel- und
Knochenschmerzen. Inwieweit die Schmerzen durch eine gezielte Vitamin-D-Gabe
bekämpft werden können, müssen nun weitere Studien zeigen.
Mindern Kalzium und
Vitamin D
das Diabetes-Risiko?
SAN DIEGO (ner). Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium
vermindert offenbar das Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken. Das geht
aus neuen Auswertungen der Nurses` Health Study hervor, die beim
US-amerikanischen Diabetes-Kongreß in San Diego vorgestellt worden sind.
Die an der Studie teilnehmenden Krankenschwestern hatten alle zwei Jahre
einen detaillierten Fragebogen zur Ernährung beantworten müssen. Bei einer
Vitamin-D-Aufnahme von 200 Einheiten täglich oder weniger waren 1600 neue
Diabetes-Erkrankungen gezählt worden, bei 200 bis 400 Einheiten 1700
Neuerkrankungen.
Ab 400 Einheiten pro Tag aufwärts nahm die Zahl der neu diagnostizierten
Diabetikerinnen drastisch ab. Bei mehr als 800 Einheiten täglich waren es
nur noch 96 Neuerkrankungen, wie Dr. Anastassios G. Pittas aus Boston und
seine Kollegen bei einer Posterpräsentation berichteten.
Ähnlich verhielt es sich mit der täglichen Kalziumzufuhr. Hier lag der
Schwellenwert bei etwa 1000 mg täglich. Bei Frauen mit einer täglichen
Zufuhr von mehr als 1200 mg Kalzium und mehr als 800 Einheiten Vitamin D war
das Diabetesrisiko um 33 Prozent niedriger als bei unterdurchschnittlicher
Aufnahme. Ärzte Zeitung, 23.09.2005
Osteoporose:
Vitamin D
-Mangel der Schwangeren führt zu geringeren Knochenmasse ihrer Kinder im
Schulalter
SOUTHAMPTON. Kinder, die im Sommer geboren wurden oder deren
Mütter Vitamin-D-Präparate während der Schwangerschaft einnahmen, hatten in
einer Studie des britischen Medical Research Council im Alter von neun
Jahren eine höhere Knochendichte als andere Kinder. Die jetzt im Lancet
(2006; 367: 36-43) publizierten Ergebnisse werfen die Frage einer vermehrten
Vitamin-D-Substitution in der Spätschwangerschaft auf.
Vitamin D wird entweder mit der Nahrung aufgenommen oder in der Haut unter
dem Einfluss von UV-B-Licht gebildet. Ein Mangel wurde lange Zeit nur bei
älteren Menschen vermutet. Neuere Studien zeigen jedoch, dass auch jüngere
Menschen unterversorgt sein können, vor allem während der Wintermonate in
den nördlichen Ländern. Schwangere haben einen erhöhten Vitamin-D-Bedarf, da
sie den Feten mit dem Hormon versorgen müssen, das für die Bildung des
Knochens benötigt wird. Nachdem frühere Untersuchungen darauf hingedeutet
hatten, dass intrauterine Wachstumsstörungen das Risiko einer späteren
Osteoporose erhöhen, hat das Medical Research Council den Zusammenhang in
einer Longitudinalstudie untersuchen lassen.
Die Gelegenheit bot eine Kohorte von 198 Frauen, die ihre Kinder den Jahren
1991/92 in einer Klinik in Southampton zur Welt gebracht hatten. In den
archivierten Blutproben der Schwangeren bestimmte Cyrus Cooper von der
Universität Southampton die Konzentration von 25(OH)-Vitamin D. Die Werte
setzte er dann in Beziehung zu den Ergebnissen einer Knochendichtebestimmung
mittels DXA (Dual X-ray Absorptiometry) bei den Kindern, die zum Zeitpunkt
der Untersuchung neun Jahre alt waren. Für 160 Mutter-Kind Paare lagen
komplette Daten vor. Sie ergeben eine signifikant geringere Knochendichte
bei den Kindern, deren Mütter einen Vitamin-D-Mangel (< 11 μg/l) aufwiesen.
Die Knochendichte war bei den Kindern nicht so niedrig, dass ein akutes
Knochenbruchrisiko bestand. Langfristig könnte der Mangel jedoch das
Osteoporoserisiko im Alter beeinflussen. Denn nach allgemeiner Überzeugung
bietet eine hohe Knochendichte nach dem Abschluss des Knochenwachstums (Peak
bone mass) den besten Schutz vor einer Osteoporose im Alter. Die britische
Untersuchung ist die erste, die den Einfluss der Vitaminversorgung während
der Schwangerschaft auf die Knochendichte der Kinder untersucht hat.
Die nähere Analyse zeigte insbesondere, dass die Kinder, die während der
Sommermonate geboren wurden, und deren Mütter deshalb in der
Spätschwangerschaft einer erhöhten UV-B-Exposition ausgesetzt waren, die
höchste Knochendichte haben. Ein zweiter Prädiktor war die Einnahme von
Vitamin-D-Präparaten. Der Vitamin-D-Status der Mutter hatte keinen Einfluss
auf Gewicht, Größe oder Kopfumfang der Kinder während der Geburt. Auch das
Plazentagewicht wurde nicht unbeeinflusst.
Die Autoren regen eine Vitamin-D-Substitution von Schwangeren an. Sie sei
vor allem dann sinnvoll, wenn das letzte Trimenon in die Wintermonate falle.
Ob sich die Fachgremien diesem Urteil anschließen, wird von einer Abwägung
der Nutzen-Risiko-Relation abhängen. Im idealen Fall sollte zunächst eine
randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt werden, um die Ergebnisse
der Beobachtungsstudie zu bestätigen. Britische Experten rieten von
voreiligen Vitamin-D-Substitutionen ab. /rme
DEUTSCHES ÄRZTEBLATT 06.01.2006
Links zum Thema
Abstract im Lancet (nach Registrierung)
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673606679221/abstract
Vitamin D-Mangel als Krebsrisiko?
Beugt Sonnenlicht dem Brustkrebs vor?
Aerzteblatt 5.4.2006
www.aerzteblatt.de
Boston - Ist die verminderte Lichtexposition für die höhere Krebsrate in
nördlichen Ländern und bei dunkelhäutigen Menschen verantwortlich? Die
Ergebnisse einer Kohortenstudie deuten darauf hin. Ein Mangel des
„Sonnenhormons“ Vitamin D war mit einer erhöhte Rate und Sterblichkeit von
Krebserkrankungen vor allem des Verdauungstraktes assoziiert. Auf einem
Krebskongress in den USA wurden korrespondierende Daten zum Brustkrebsrisiko
vorgestellt.
Schon 1941 war dem US-amerikanischen Pathologen Frank Apperly eine inverse
Beziehung zwischen Krebssterblichkeit und dem geographischen Breitengrad
aufgefallen. Jetzt rückt der „faszinierende Nord-Süd-Gradient“ wieder in den
Blickpunkt der Krebsforscher, wie Gary Schwartz von der Wake Forest
Universität in Winston-Salem/North Carolina in einem Editorial zum Journal
of the National Cancer Institute(JNCI 2006; 98. 428-30) schreibt. Der Grund
mag im Scheitern sämtlicher Präventionsbemühungen der letzten Jahre liegen.
Beta-Caroten, dessen Mangel in vielen Beobachtungsstudien mit einer erhöhten
Krebsrate assoziiert war, war in einer randomisierten kontrollierten Studie
alles andere als präventiv. Bei Rauchern steigerte es sogar die
Lungenkrebsrate. Auch die Hoffnungen auf Vitamin E und Selen sind längst
begraben, und die von Gynäkologen lange propagierte krebspräventive Wirkung
der postmenopausalen Hormonsubstitution war in der Womens´ Health Initiative
nicht überzeugend. Einem (unter der Kombination Östrogen plus Gestagen)
reduziertem Darmkrebsrisiko stand eine erhöhte Rate von Brustkrebs
gegenüber. Auch hier hatte es im Vorfeld viel versprechende Ergebnisse aus
Beobachtungsstudien gegeben.
Wird sich die Geschichte nun beim Vitamin D wiederholen? Er hoffe nicht,
meint Schwartz, denn für die krebshemmende Wirkung von Vitamin D gebe es
biologische Hinweise, etwa den Nachweis von Vitamin-D-Rezeptoren auf
Melanom- und Leukämiezellen oder die Tatsache, dass neben Leber und Niere
noch andere Organe das Vitamin verstoffwechseln können. Hinzu kämen die
vielen epidemiologischen Studien, deren jüngste eine Analyse der Health
Professionals Follow-Up Studie ist (JNCI 2006; 98: 451-459). Diese Studie
begann im Jahr 1986 und schloss mehr als 50.000 Zahnärzte, Apotheker,
Optiker, Veterinäre und Heilpraktiker ein. Diese wurden intensiv nach ihren
Ernährungs- und Lebensgewohnheiten befragt, um den Einfluss dieser
Umweltfaktoren auf die Entstehung von Krankheiten zu erforschen.
Von den 47.800 Männern, die bei der Eingangsuntersuchung frei von
Krebserkrankungen waren, erkrankten bis Ende Januar 2000 4.286 an Krebs und
2.025 starben daran. Die Vitamin-D-Spiegel wurden nicht gemessen, sondern
aus der Angaben zur Ernährung und Einnahme von Supplementen, dem
Pigmentierungstyp der Haut, der Körperfülle, der geographischen Breite des
Wohnortes und den Freizeitgewohnheiten abgeleitet.
Allein daraus dürften sich einige Ungenauigkeiten in der Abschätzung des
Vitamin-D-Spiegels ergeben. Doch angesichts der großen Teilnehmerzahl mag
dennoch ein genaues Abbild zwischen dem Vitaminstatus und der Krebsinzidenz
herausgekommen sein. Nach den Berechnungen von Edward Giovannucci von der
Harvard School of Public Health in Boston ist ein Anstieg der (geschätzten)
Vitamin D-Spiegel um 1500 IU/die mit einer um 17 Prozent reduzierten
Krebsinzidenz und einer um 29 Prozent reduzierten Krebssterblichkeit
assoziiert. Bei Krebserkrankungen des Verdauungstraktes wurde sogar eine
Reduktion der Krebsinzidenz um 43 Prozent und der Krebssterblichkeit um 45
Prozent errechnet. Bei Menschen mit der geringsten Vitamin-D-Exposition
kommt es danach jährlich zu 758 Krebserkrankungen und 326 Krebstodesfällen
auf 100.000 Männer. Unter den Männern mit der höchsten Vitamin-D-Exposition
waren es dagegen nur 674/100.000 Krebserkrankungen und 272/100.000
Krebstodesfälle pro Jahr.
Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Krebsprävention in den letzten
Jahren lässt sich aus diesen Daten kaum eine krebspräventive Wirkung einer
vermehrten Sonnenexposition oder einer Vitamin-D-Supplementierung ableiten.
Angesichts der geringen Kosten von Vitamin D dürfte es aber nur noch eine
Frage der Zeit sein, bis prospektive Präventivstudien beginnen.
Eine in diesem Zusammenhang interessante Fall-Kontroll-Studie wurde dieser
Tage auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research in
Washington vorgestellt. Julie Knight und Mitarbeiter vom Samuel Lunenfeld
Research Institute in Toronto haben 536 Brustkrebspatientinnen nach ihrer
Sonnenexposition im Alter von 10 bis 29 Jahren befragt (Abstract No. 4009)
In diese Zeit fällt die Entwicklung der weiblichen Brustdrüse. Frauen, die
während dieser Zeit häufig im Freien waren und einem Außen-Beruf nachgingen,
erkrankten später zu 40 Prozent seltener an Brustkrebs. Auch die Einnahme
von Lebertran im Alter von 10 bis 19 Jahren könnte nach den Ergebnissen der
Studie eine protektive Wirkung (minus 25 Prozent) haben.
Günstig würde sich ferner das Trinken von Milch auswirken: Mehr als 9 Gläser
pro Woche im Alter von 10 bis 29 Jahren waren mit einer Reduktion der
Brustkrebserkrankungen um 35 Prozent assoziiert. Ärzte, die daraus
Ernährungsratschläge für ihre Patienten ableiten, sollten jedoch bedenken,
dass die Beweiskraft von Fall-Kontroll-Studien noch geringer ist als die von
Beobachtungsstudien. Nicht überbewertet werden sollten auch die Ergebnisse
einer Meta-Analyse, die Cedric Garland unter Mitarbeiter von der Universität
von Kalifornien in San Diego auf der Tagung vorstellte. Danach könnte es
eine lineare Beziehung zwischen dem 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Blut und
der Brustkrebsrate geben. Für eine Konzentration von 52 ng/ml errechnen die
Autoren eine Reduktion der Brustkrebsrate um die Hälfte. /rme
Links zum Thema
Abstract im Journal of the National Cancer Institute
http://jncicancerspectrum.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/jnci;98/7/451
Editorial im Journal of the National Cancer Institute
http://jncicancerspectrum.oxfordjournals.org/cgi/reprint/jnci;98/7/428.pdf
Pressemitteilung des AACR
Pressemitteilung des AACR
http://www.aacr.org/Default.aspx?p=1275&d=603
Abstracts des Kongresses (Suche nach Autoren)
http://www.abstractsonline.com/viewer/?mkey=%7B3B61E356%2D411F%2D435F%2DACCA%2D167F0FDA48AD%7D
Health Professionals Follow-Up Study
http://www.hsph.harvard.edu/hpfs/
Samuel Lunenfeld Research Institute
http://www.mshri.on.ca/
Zwei von drei Deutschen haben
Vitamin-D-Mangel
Substitution beugt Stürzen vor
FRANKFURT AM MAIN (ner). Vitamin D hat eine doppelte Wirkung bei
Osteoporose: Es ermöglicht die Kalziumresorption im Darm und hat
neuromuskuläre Effekte, die Stürze verhindern helfen. Daher sollte es
unbedingt Bestandteil der medikamentösen Therapie sein.
Daran hat Professor Johann D. Ringe aus Leverkusen beim Schmerzkongreß in
Frankfurt am Main erinnert. Vitamin D bindet an spezielle Hormonrezeptoren
der Skelettmuskelzellen und beeinflußt so deren Funktion. Studien hätten
ergeben, daß ein Vitamin-D-Mangel die Gangunsicherheit und damit das
Sturzrisiko erhöht, sagte Ringe bei einem vom Unternehmen MSD unterstützen
Symposium. Zugleich mobilisiert der Körper bei Vitamin-D-Mangel Kalzium aus
dem Knochen, was eine Osteopenie verursacht und das Frakturrisiko erhöht.
Daher müsse bei der Osteoporose-Therapie ausreichend Vitamin D substituiert
werden, so Ringe. Nach epidemiologischen Daten liegt die Prävalenz des
Vitamin-D-Mangels, also eines Plasmaspiegels von weniger als 30 ng/ml, in
Deutschland bei 67 Prozent. In einer Studie lag bei nahezu allen der 78
Patienten über 50 Jahre, die wegen einer Fraktur in eine unfallchirurgische
Abteilung gekommen waren, der Vitamin-D-Spiegel unter 30 ng/ml, bei der
Hälfte sogar unter 15 ng/ml. Günstig für Osteoporose-Patienten, die ein
Bisphosphonat benötigen, sei die Fixkombination aus Alendronat und Vitamin
D. Sie stehe seit einem halben Jahr als Wochentablette (Fosavance®) zur
Verfügung, so der Osteologe. Für Alendronat sei hinreichend erwiesen, daß es
die Knochenqualität verbessert, das Frakturrisiko senkt und auch langfristig
gut vertragen wird. Die Wochentablette enthält 70 mg Alendronat sowie 2800
I.E. Cholecalciferol.
Ärzte Zeitung, 03.04.2006
Vitamin-D- wirkt entzündungshemmend
bei Herzmuskelschwäche
Weltweit erstmalig fanden Wissenschaftler des Herz- und Diabeteszentrums
NRW, Klinikum der Ruhr-Universität, in einer Studie heraus, dass Vitamin D
zu einem Anstieg entzündungshemmender Substanzen im Blut und zur
Unterdrückung entzündungsfördernder Substanzen führt: Eine positive
Nachricht für die rund 22 Millionen Menschen, die an Herzmuskelschwäche
erkrankt sind. Die Herzmuskelschwäche ist aufgrund der Altersverschiebung
der Gesellschaft eine Erkrankung mit stetig steigender Bedeutung und weist
trotz Verbesserungen in der medikamentösen Therapie immer noch eine hohe
Sterblichkeit auf - jeder zweite Patient überlebt die ersten fünf Jahre nach
der Diagnose nicht. In Deutschland sterben jährlich 33.000 Frauen und 15.000
Männer an Herzschwäche.
Herzmuskelschwäche und
Vitamin-D-Mangel
hängen zusammen
Bereits Anfang 2003 fanden Wissenschaftler des Herz- und Diabeteszentrums
NRW in Bad Oeynhausen erstmals deutliche Hinweise, dass eine Unterversorgung
mit Vitamin D an der Entstehung der Herzmuskelschwäche beteiligt ist. PD Dr.
Oec.troph. Armin Zittermann, Leiter der Studienzentrale, und Dipl. Oec.troph.
Stefanie Schulze Schleithoff, Studienmanagerin, stellten fest, dass ein
Zusammenhang zwischen einem Vitamin D-Mangel und dem Schweregrad der
Herzmuskelschwäche besteht.
Vitamin D fördert entzündungshemmende Stoffe
Jetzt konnte Stefanie Schulze Schleithoff im Rahmen ihrer Doktorarbeit
weitere wichtige Zusammenhänge aufdecken. In der Folgestudie, an der 93
Patienten teilnahmen, wurde den schwer herzkranken Menschen entweder Vitamin
D oder ein Scheinpräparat (Placebo) verabreicht. Die Wissenschaftlerin fand
heraus, dass die Vitamin D-Gabe zu einem Anstieg entzündungshemmender
Substanzen im Blut und zur Unterdrückung entzündungsfördernder Substanzen
führt. Diese Zytokine zählen zu den Gewebshormonen, die u.a. die Abwehr von
Bakterien steuern und koordinieren.
Im Verlauf der Herzmuskelschwäche kommt es jedoch krankheitsbedingt fast
immer zu einer überschießenden Ausschüttung entzündungsfördernder
Substanzen. Dies wirkt sich nicht nur negativ auf den weiteren
Krankheitsverlauf aus, sondern kann bei den Betroffenen zu einem wahren
Teufelskreis führen, da durch die auftretende Herzschwäche die Ausschüttung
dieser Gewebshormone weiter ansteigt. Es konnte nachgewiesen werden, dass
Vitamin D das Entzündungsprofil bei Patienten mit Herzmuskelschwäche
verbessern kann.
Schwer zu durchbrechender Teufelskreis
"Zukünftig könnte Vitamin D als entzündungshemmende Substanz bei der
Behandlung der Herzinsuffizienz von Bedeutung sein. Eine Therapieempfehlung
können wir zurzeit aber noch nicht geben. Um unser Ergebnis zu untermauern,
sind weitere längerfristige Studien notwendig", erläutert Stefanie Schulze
Schleithoff. Auch die Sterblichkeit ließ sich bisher durch die Vitamin
D-Gabe nicht reduzieren, da der Teufelskreis, in dem sich die schwer
herzkranken Patienten befinden, nur sehr schwierig zu durchbrechen sei. Von
größerer Bedeutung ist daher die vorbeugende Wirkung einer ausreichenden
Vitamin D-Versorgung in jüngeren Jahren.
Hintergrundinfo Vitamin D
Vitamin D wird vom menschlichen Körper selbst über die Haut gebildet. 75 bis
90 Prozent des Bedarfs entstehen durch die UVB-Strahlung im Sonnenlicht.
Allerdings reicht zwischen Oktober und April die UVB-Strahlung nicht aus, um
genügend Vitamin D zu bilden. Doch normalerweise kann der Körper in den
Wintermonaten von dem "Vitamin D-Speicher", der während der Sommermonate
gebildet wird, zehren. Wer aber seinen Beruf im Büro ausübt und seine
Freizeit hauptsächlich vor dem Fernseher oder dem Computer verbringt, bildet
zu wenig Vitamin D. Vor intensivem Sonnenbaden raten die Wissenschaftler
jedoch ab, da die UV-Strahlung einfach zu gefährlich ist. Der regelmäßige
Konsum Vitamin D-reicher Kost ist zu empfehlen. In nennenswerten Mengen ist
Vitamin D allerdings nur in fettreichem Fisch, wie Hering, Aal, Makrele und
Lachs enthalten. Ratsam sind zwei bis drei Fischmahlzeiten pro Woche.
Die Originalarbeit ist im "American Journal of Clinical Nutrition"
veröffentlicht (Vol.83, Nr.4, 2006, S.754-759).
19.06.2006 Infos
für Ärzte http://www.journalmed.de
Quelle: Ruhr-Universität Bochum
Keine Zweifel am Nutzen von
Calcium plus Vitamin D
Von Professor Johann D. Ringe
Alte Menschen, die ausreichend mit Calcium und Vitamin D versorgt sind,
haben ein deutlich geringeres Risiko für nicht-vertebrale Frakturen
einschließlich Hüftfrakturen. Sie profitieren besonders dann von einer
solchen Therapie, wenn sie bereits eine Osteopenie, Frakturen in der
Anamnese und/oder ein erhöhtes Sturzrisiko haben. Daran ändern auch mehrere
neue Studien nichts, die die Bedeutung von Calcium und Vitamin D bei älteren
Menschen auf den ersten Blick in Frage stellen.
Die Bedeutung einer optimalen Versorgung mit Calcium und Vitamin D bei alten
Menschen ist erstmals 1992 in einer französischen Studie nachgewiesen
worden: Bei über 75jährigen, im Altenheim lebenden, noch mobilen Frauen ist
nach bereits 18 Monaten Therapie mit täglich 800 IE Vitamin D und 1200 mg
Calcium die Rate aller nicht-vertebralen und speziell auch der proximalen
Femurfrakturen signifikant geringer als mit Placebo (NEJM 327, 1992, 1637).
Von diesem Zeitpunkt an galt, daß Calcium (Ca) plus Vitamin D (D), ähnlich
dosiert wie in der Studie, besonders bei älteren Patienten mit sehr
wahrscheinlicher Ca/D-Unterversorgung nicht-vertebrale Frakturen verhindern
kann. Ein Schutz vor Wirbelkörperfrakturen wurde allerdings nicht
nachgewiesen. Dennoch wird Ca/D allgemein als Basistherapie bei Osteoporose
empfohlen: Es sollte in der Regel zu jeder spezifischen Behandlung mit
Bis-phosphonaten, Raloxifen, Parathormon, Strontiumranelat, Fluor oder
Calcitonin hinzugegeben werden.
Der Nutzen von Calcium für den Erhalt fester Knochen ist bereits seit langem
anerkannt. Wie wichtig Vitamin D als Kombi-Partner von Calcium ist, wurde
erst in den letzten Jahren zunehmend erforscht. Vitamin D sowie dessen
aktive Endform, das D-Hormon, tragen vermutlich durch multiple ossäre und
muskuläre Effekte besonders zur Reduktion nicht-vertebraler Frakturen bei.
Vitamin D stimuliert die enterale Calcium-Resorption und den Einbau von
Calcium in die Knochenmatrix, hemmt die Überfunktion der Nebenschilddrüsen
und wirkt auf den Knochenumbau zugleich antiresorptiv und leicht anabol. Ein
Vitamin-D-Mangel führt zu Muskelschmerz, -schwäche und -funktionsverlust,
begünstigt also Stürze und Frakturen. Es wurde gezeigt, daß eine
ausreichende Versorgung das Gegenteil bewirkt.
In den vergangenen Monaten sind mehrere Studien publiziert worden, die auf
den ersten Blick die Bedeutung von Ca/D bei der Osteoporose-Prävention und
-Therapie in Frage stellen. Eine davon ist die Studie RECORD (Randomised
Evaluation of Calcium OR vitamin D): Es hatten 5292 über 70jährige Personen
(85 Prozent Frauen) daran teilgenommen, die eine Fraktur ohne hohen
Kraftaufwand erlitten hatten. Sie wurden mit Calcium, Vitamin D, der
Kombination Ca/D oder mit Placebo behandelt (Lancet 365, 2005, 1621).
Nach zwei bis fünf Jahren gab es in den vier Gruppen keine signifikanten
Unterschiede bei Frakturinzidenz, Sturzrate, Lebensqualität und Sterberate.
Die Autoren folgerten, daß eine Therapie mit Ca, Vitamin D oder der
Kombination allein nicht ausreicht, um bei Personen wie bei den Teilnehmern
der RECORD-Studie neuen Frakturen vorzubeugen.
Ein Problem dieser Studie ist die schlechte Compliance der Patienten. Nach
nur zwei Jahren hatten bereits mehr als 50 Prozent die Therapie abgebrochen.
Zudem schlugen vermutlich weitere fraktursenkende Faktoren außer der
Ca/D-Einnahme zu Buche. So erhielten viele Studienteilnehmerinnen eine
Hormonersatztherapie, und sie hatten einen relativ hohen BMI. Auch waren die
Probanden im Mittel sieben Jahre jünger als die der französischen Studie, so
daß ein Vitamin D-Mangel zu Studienbeginn weniger wahrscheinlich war.
Eine noch wesentlich jüngere Patientengruppe wurde in der WHI-Studie
untersucht (NEJM 354, 2006, 669). 36 282 Frauen bekamen randomisiert
entweder 1000 mg Calcium plus 400 IU Vitamin D oder Placebo. Die mittlere
Nachbeobachtungszeit betrug sieben Jahre. Zu diesem Zeitpunkt hatten Frauen
mit Verum eine um 1,06 Prozent höhere Knochendichte am proximalen Femur, es
gab jedoch keinen Unterschied bezüglich der Inzidenz von Hüftfrakturen.
Die Frauen in dieser Studie waren bei weitem zu jung, sie hatten also ein
viel zu geringes Risiko für Hüftfrakturen, um einen Schutzeffekt von Ca/D
belegen zu können. Zudem wird eine Dosis von 400 IE Vitamin D pro Tag heute
als eher zu gering eingestuft. Nach US-amerikanischen Metaanalysen sind pro
Tag mindestens 800 IE nötig. Dennoch fand sich in einer Subgruppe älterer
Probanden ein signifikanter Effekt auf nicht-vertebrale Frakturen.
Vor kurzem ist eine weitere Arbeit zum Thema erschienen (Arch Intern Med
166, 2006, 869). 1460 Frauen über 70 Jahre - ohne Vitamin-D-Mangel - nahmen
zweimal täglich 600 mg Calcium oder Placebo ein. Ergebnis: Calcium schützt
die Knochen, aber nur bei guter Compliance! Lediglich bei den 830 Frauen,
die mindestens 80 Prozent der Tabletten eingenommen hatten, war die Rate der
osteoporotischen Frakturen nach fünf Jahren Calcium-Einnahme signifikant
geringer als mit Placebo.
Bei genauer Betrachtung geben die neuen Studien keinen Anlaß, die Bedeutung
einer ausreichenden Ca/D-Versorgung jetzt geringer einzuschätzen als bisher.
Die tägliche orale Einnahme von Ca/D senkt bei älteren Menschen das Risiko
für nicht-vertebrale Frakturen und speziell auch für proximale
Femurfrakturen umso wahrscheinlicher, als eine Unterversorgung mit Calcium
und/oder Vitamin D vorliegt Calcium in einer Dosierung von 1000 bis 1200 mg
pro Tag und Vitamin D in einer Dosierung von 800 bis 1000 IE eingenommen
wird eine langfristige optimale Compliance sichergestellt ist und die
Probanden eines oder mehrere der nachfolgenden Risiken aufweisen: Osteopenie,
Frakturen in der Anamnese, erhöhtes Sturzrisiko.
Damit gilt, daß statistisch der mögliche präventive Nutzen von Ca/D mit dem
Lebensalter steigt, da die Wahrscheinlichkeit, daß diese Bedingungen erfüllt
sind, mit dem Lebensalter steigt. Auf jeden Fall verordnet werden sollte
Ca/D als Basistherapie zusätzlich zu jeglicher spezifischer
Osteoporose-Medikation.
Denn, zur Erinnerung: In den entsprechenden großen Zulassungsstudien wurde
das jeweilige Medikament stets in Begleitung von Ca/D gegeben wurde. Die
Kontrollgruppen erhielten Ca/D als "Placebo". Die Frage, ob in echten
Placebo-Gruppen noch mehr Frakturen aufgetreten wären, läßt sich nicht
beantworten. Vieles spricht jedoch dafür, daß bei speziellen
Hochrisikogruppen in höherem Lebensalter die Ca/D-Basistherapie bereits
einen gewissen Effekt auch auf vertebrale Frakturen haben könnte.
Ärzte Zeitung, 04.09.2006
Professor Johann D. Ringe, Medizinische Klink IV, Allgemeine Innere Medizin,
Klinikum Leverkusen, E-Mail-Adresse: ringe@klinikum-lev.de
US-Forscher identifizieren kontrollierbaren Risikofaktor